Herdwick

Ich möchte auf dieser Seite mal eine kleine Rassebeschreibung und alles wissenswerte zur Rasse der Herdwick-Schafe zusammentragen. In der Annahme, dass es irgendjemanden interessiert...

Allgemeines

Das Herdwick ist eine von vielen Schafrassen die in England zuhause, für dieses Gebiet gezüchtet und sonst eher weniger verbreitet sind. Die meisten Herdwicks leben im westlichen Lake District (Markierung auf der Karte) und beweiden dort mit die höchsten Berge des Landes. Aufgrund dieses Hintergrunds kann man schon erahnen, dass es sich um eine sehr wiederstandsfähige und anspruchslose Rasse handeln muss, denen auch felsiger Untergrund und karges Futter nichts ausmacht.

Sie werden dort, wie viele Herden im Königreich, relativ wild gehalten. Das heißt, dass ein Schaf meist einen oder sogar mehrere Hektar an Fläche zur Verfügung hat. Insgesamt werden riesige Gebiete von Unmengen an Schafen beweidet, die nur ein paar mal im Jahr vom Schäfer zusammengeholt werden, welche dabei bis zu 100 Meilen zurück legen müssen, da der Größteil des Geländes für Menschen nicht zugänglich ist und umgangen werden muss. Den Rest des Jahres leben die Tiere auf sich gestellt.

Herkunft und Geschichte

Auch wenn sie in England am weitesten verbreitet sind, ist dass nicht die eigentliche Heimat der Herdwicks.

Der Name Herdwick stammt aus dem Alt-Nordischen. Das Wort „herdvyck“ hieß hier soviel wie „Schafweide“ und wurde schon im 12. Jahrhundert nachweislich erwähnt. Es ist relativ unklar wann die Rasse züchterisch aufgetreten ist, vermutlich ging sie aber aus dem alten Norwegischen Landschaf hervor und ist eine Stammrasse von Spaelsau, Island Schaf und Faroer Schaf.

Wahrscheinlich wurde sie zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert während der Wikingerinvasion im Westen von England von den Wikingern in die Region gebracht und dort weiter gezüchtet, womit die Region um den Lake Disctrict nachhaltig topografisch geprägt wurde.

Eine gewisse Prominenz erreichte das Herdwick durch die Kinderbuch-Autorin Beatrix Potter (1866 – 1943), welche beigeistert von dieser Rasse, selber anfing sie zu halten und zu Züchten. Sie gewann mehrere Preise mit ihren Tieren und war ein paar Jahre Präsidentin der „herdwick sheep breed association„. Mit ihrem Tod überließ sie dem National Trust 15 Farmen mit über 1600ha Land.

Ein weiteres Jahr, was im Zusammenhang mit den Herdwicks erwähnt werden sollte, ist 2001. In diesem Jahr brach in Endland die Maul- und Klauenseuche aus und führte dazu, dass sehr viele Herden zugrunde gingen und sogar Befürchtungen über den Erhalt der Rasse umher gingen. Von den zuvor etwa 100.000 Tieren der Rasse musste ein Verlust von 25% verbucht werden.

Aufgrund der Tatsache, dass die Herdwicks zu den Schafrassen gehören, welche ortsgebunden sind, dass heißt dass sie ihr Leben lang um Umkreis ihres Geburtsortes bleiben, ist es für die Farmer mit hohem Aufwand (sichere Zaunanlagen, welche vorher nicht nötig waren) Verbunden, die Tiere weiter zu züchten. Viele Lords und Dukes aus der Region setzten sich jedoch für den Erhalt der Landschaft und der Rasse ein und finanzierten die Rehabilitierungsmaßnahmen.

Ein „The Guardian“ Autor zitierte dazu einmal sehr schön:

There are other mountain sheep on the Lakeland fells, notably Swaledales and Rough-Fells, but the hardy Herdwick is the sheep most likely to be seen in and around the Duddon valley, the Coniston fells, the Buttermere fells and, through Borrowdale or Wasdale, up to the highest land in England, the Scafells. More than the old drystone walls that quarter the fells, the packhorse bridges or the whitewashed farmsteads, the little grey Herdwick sheep typify the Lakeland.

If they and their shepherds go, that is the end of the Lakeland where I have climbed, walked, skied and skated for nearly 80 years; of the Lakeland I have written about nearly all my life.

zu deutsch (frei übersetzt):

Es gibt viele Schafrassen im Lakeland, wie die Swaledale und Rough-Fells, aber das robuste Herdwick ist das Schaf, welches man vom Duddon valley, über die steinigen Gebieten von Coniston und Buttermere sowie Borrowdale oder Wasdale bis hoch zu den höchsten Gipfeln des Landes, den Scafells, sehen möchte. Mehr als die alten Steinwälle, welche die Gebiete unterteilen, die typischen packhorse-Brücken oder die weißen Farmgebäude prägen die kleinen grauen Herdwickschafe das Bild des Lakeland.

Und wenn sie und die Schäfer gehen, ist das das Ende des Lakeland in dem ich kletterte, spazieren ging und Ski fuhr, seit nunmehr fast 80 Jahren; des Lakeland, über das ich nahezu mein ganzes Leben geschrieben habe.

In den letzten Jahren verbreitet sich das Herdwick nun etwas weiter. Es gibt mittlerweile einige Tiere in Holland sowie zur Zeit rund 50 Tiere in Deutschland. In diesem Jahr wurde auch zum ersten mal Sperma von Herdwick-Böcken in die USA importiert, wo die Rasse durch künstliche Befruchtung erstmals eingekreuzt wurde.

Eigenschaften und Charakterzüge

Wie schon erwähnt ist das Herdwick ein überaus robustes Schaf und zählt zu den zähesten seiner Art. Es muss in 1.000 Meter Höhe mit kalten Temperaturen und extremen Regenperioden zurecht kommen.

Daneben zählt die bereits erwähnte Ortsgebundenheit zu den Besonderheiten der Rasse, was aber in den weiten steinigen Gebieten große Vorteile für Mensch und Tier hat.

Spezifische Daten, wie es bei deutschen Rassen typisch wäre, gibt es kaum. In den weiten Gebieten werden Ablammungen nicht weiter dokumentiert, man geht aber aufgrund der Bedingungen von einem

Lämmerverlust von ca. 25% aus, was aber keinesfalls einer „normalen“ Weidehaltung hier in Deutschland entsprechen dürfte. An Wolle bringt ein Tier etwa 1,5-2kg bei 15-20cm Stapellänge.

Zu Gewichten, Größen oder Milchleitung habe ich keine weiteren Daten gefunden, Evtl. kann ich sie ja mal selber erfassen :)

Das Fleisch wird als recht wohlschmeckend eingestuft und die graue relativ grobe Wolle eignet sich hauptsächlich zur Teppichproduktion.

Nach eigenen Erfahrung kann ich den Charakter der Tiere als außergewöhnlich ruhig einstufen. Sie sind recht neugierig und gewöhnen sich schnell an den Menschen. Wo andere Schafe bei schnellen Bewegungen schon mal panisch davon rennen, schaut einen das Herdwick nur etwas fragend mit seinem Teddybärengesicht an und frisst dann genüsslich weiter.

Aussehen

Das Herdwick unterschiedet sich doch recht markant von anderen, zumindest in Deutschland vorkommenden, Rassen.

Bei der Geburt sind die Lämmer fast völlig Schwarz und ändern in den ersten Monaten die Fellfarbe (also Beine und Kopf) zu einem reinen bis gräulichen weiß. Das Wollkleid wird bis zum ersten Lebensjahr etwas bräunlich-rötlicher, bevor es dann einem gröberen und grauen (in allen Farbstufen bis hin zu braun und weiß) Vlies weicht.
Besonders auffällig sind der lange buschige Schwanz sowie die recht stark behaarten und dadurch wuchtig wirkenden Beine mit recht großen Klauen.

Weibliche Tiere sind hornlos, während Böcke auch gehörnt vorkommen.

Die Sprache der Lakeland-Schäfer

Als kleine Besonderheit nochmal ein paar Eigenarten der Herdwick-Schäfer, welche einen eigenen Wortschatz geprägt haben. Hier mal einige Übersetzungen

Hogg – Jährling
Twinter – zweijähriges Tier
Thrinter – dreijähriges Tier

Desweiteren haben die Schäfer im Lakeland eine eigene Art ihre Tiere zu zählen. Das klingt dann in etwa so:

1 – Yan
2 – Taen
3 – Tedderte
4 – Medderte
5 – Pimp
6 – Haata
7 – Slaata
8 – Lowra
9 – Dowra
10 – Dick

Naja, ich hoffe ich konnte euch hiermit eine Einführung in die Thematik geben und ihr wisst jetzt mehr als vorher.